Klaus Schwab, Gründer und Vorsitzender des WEF | CC BY-NC-SA 2.0: World Economic Forum

World Economic Forum: Vom Zynismus der Mächtigen

Davos 2023: Das Jahres-Event der selbst ernannten "Elite" der Globalisten steht wieder bevor.

Kommende Woche trifft sich die selbst ernannte Elite der Globalisten wieder zu ihrem Stelldichein. Von 16. bis 20. Jänner findet im Schweizer Nobel-Skiort Davos das Jahrestreffen des World Economic Forum (WEF) statt. Dort reisen einmal mehr die Reichen mit ihren Privatjets an, um den Bürgern einzureden, sie sollten lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Mit dabei werden 52 Staats- und Regierungschefs sein – so viele wie noch nie. Das reichlich schwammige Thema: „Kooperation in einer fragmentierten Welt“.

Initiator der „toxischen Hochzeit von Konzern-Eliten und Regierung“ ist Klaus Schwab. Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler, der früher Professor für Unternehmenspolitik an der Universität Genf war, hatte 1971 das „European Management Forum“ ins Leben gerufen. Das mutierte 1987 schließlich zum World Economic Forum.

Stiftung als Geschäftsmodell

Organisiert ist das WEF als Stiftung, die im Schweizer Kanton Genf ansässig ist. Die angebliche Gemeinnützigkeit hat Schwabs Stiftung jedenfalls steuerliche Vorteile gebracht. Seit 2015 hat das Forum in der Schweiz sogar offiziell den Status einer internationalen Organisation. Dabei ist es längst zu einem einträglichen Geschäft geworden. Das Budget wird auf rund 300 Millionen Euro geschätzt; weltweit sind rund 800 Mitarbeiter dafür tätig.

“Stakeholder-Kapitalismus”

Sein Ziel beschreibt das WEF selbst in aller Unbescheidenheit als „den Zustand der Welt zu verbessern“. Im Mittelpunkt dabei steht der sogenannte „Stakeholder-Kapitalismus“. Globale Entscheidungen sollen nicht zwischenstaatlich, sondern in „Koalitionen“ mit multinationalen Konzernen und zivilgesellschaftlichen Organisationen getroffen werden. Was für die einen verlockend klingt, ist für andere schlichtweg die Abschaffung demokratischer Entscheidungsprozesse und die Führung der Welt durch eine sich selbst ermächtigende Elite.

Immerhin gehören dem WEF rund 1000 Großkonzerne an, die dafür eine stattliche Jahresgebühr entrichten und für die Teilnahme ihrer Führungskräfte in Davos extra zahlen. Seit 2005 gibt es die „Young Global Leaders“. Dazu werden vielversprechende Führungskräfte unter 40 aus allen Teilen der Welt berufen. Sechs Jahre ist man dabei, dann kann man der Almuni-Gemeinschaft beitreten. Eine gewaltige globale Karriere-Seilschaft, die derzeit aus rund 1250 Personen besteht.

War Sebastian Kurz ein „Young Global Leader“?

Damit man auch die ganz Jungen unter die Fittiche des WEF nehmen kann, gibt es seit 2011 auch noch die „Global Shapers“: Personen zwischen 20 und 30, die nach Auffassung des Davoser Machtzirkels großes Potenzial für künftige Führungsrollen in Wirtschaft und Gesellschaft haben. Warum und weshalb weiß wohl nur Klaus Schwab.

Zu den „Young Global Leaders“ zählten etwa Frankreichs Präsident Emmanuelle Macron, Deutschlands Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock oder die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin. Auch Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz soll an dem Programm teilgenommen haben, taucht aber interessanterweise auf den kursierenden WEF-Listen nicht mehr auf (wie übrigens auch andere). Im Bildtext eines offiziellen WEF-Fotos wird er allerdings als “Young Global Leader” bezeichnet. Aus Österreich aktuell dabei ist noch Medienmanagerin Eva Dichand oder die Vorstandsvorsitzende des Österreich-Ablegers der Zürich Versicherungs-AG, Andrea Stürmer.

CC BY-NC-SA 2.0 World Economic Forum

Mit Corona zum „Great Reset“

Wo so viel „Elite“ zusammenkommt, sind Verschwörungstheorien freilich nicht weit. Die hat das WEF selbst befeuert, als Klaus Schwab Mitte 2020 angesichts der Corona-Pandemie mit dem „Great Resetankam: „Die Pandemie stellt eine seltene Gelegenheit dar, über unsere Welt nachzudenken, sie neu zu denken und neu zu gestalten, um eine gesündere, gerechtere und wohlhabendere Zukunft zu schaffen.“ Es gehe um nichts weniger als einen globalen „neuen Gesellschaftsvertrag“, heißt es in der Initiative, die dann auch als Buch verlegt wurde. Weltwirtschaft und Weltgesellschaft sollten im Anschluss an die Covid-Pandemie völlig neu gestaltet werden. Kleinere Brötchen bäckt man nicht beim WEF.

Da war sie wieder, die Idee von einer Neuen Weltordnung, einer „Novus ordo seclorum“, die Verschwörungstheoretiker schon lange bewegt. Wer sich mit dem, was tatsächlich zum „Great Reset“ vorliegt, befasst, wird etwas enttäuscht. Es ist die an vielen Stellen schwammig bleibende Nachhaltigkeits-Prosa samt Netto-Null-Emissionen, die längst überall zum guten Ton gehört. Dass gerade jene, die vom real existierenden Kapitalismus am meisten profitieren (und den Kern der Davos-Community ausmachen) jetzt das „gesellschaftliche Wohlbefinden“ steigern wollen, kann man als „atemberaubende Mischung aus Naivität und Zynismus“ auffassen – ernst nehmen muss man es nicht zwangsläufig.

“Von der eigenen Grandiosität überzeugt”

Dass die Corona-Pandemie samt allen Zwangsmaßnahmen nicht die Machtübernahme durch eine Weltregierung aus Davos eingeläutet hat, ist mittlerweile nach Pandemie-Ende doch recht offensichtlich. Dabei hatten sich das Verschwörungstheoretiker so schön klick- und verkaufsträchtig ausgemalt. Oder, wie die „Zeit“ es beschreibt: „Hört man den Davos-Vordenkern und ihren von der eigenen Grandiosität überzeugten Aussagen zu, muss man noch nicht einmal sonderlich paranoid sein, um auf solche Ideen zu kommen.“

Karriere-Seilschaft für Globalisten

Ist es damit schon getan? Nein. Denn völlig unbeschadet aller Verschwörungstheorien bleibt ein Kern ernst zu nehmender Kritik. Die selbst ernannte Elite aus Davos beeinflusst jedenfalls politische Entscheidungsprozesse – was auch ihr erklärtes Ziel ist. Dabei hat sie niemand gewählt. Keiner weiß etwa, wer nun warum zum „Young Global Leader“ erkoren wird. Transparent ist das nicht – aber eine probate Karriere-Seilschaft für Personen mit globalistischer Agenda, die irgendwann in wichtigen politischen Ämtern oder wirtschaftlichen Führungsrollen aufschlagen.

Das private WEF vereinnahmt demokratische Strukturen, um seine Agenda durchzusetzen. Das ist angesichts der geballten Macht seiner Mitglieder zumindest problematisch. Und es ist tatsächlich zynisch, sich von Reichen und Mächtigen, die mit Privatjets zu ihren Treffen anreisen, sagen zu lassen, wie man selbst als Normalbürger zu leben hat. Die Propaganda-Phrasen des „Stakeholder-Kapitalismus“ dürfen über den potenziell autoritären Ansatz zur Gängelung der Bürger nicht hinwegtäuschen. All das ist Grund genug, dem WEF und seinen Proponenten genau auf die Finger schauen.

Weiterführende Links:

Harald Vilimsky
Harald Vilimsky
Delegationsleiter | Mitglied im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten (AFET) | Stv. Mitglied im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE)